Theater AG setzt meisterlich  Shakespeare-Komödie in Szene

Die Liebe findet ihren Weg

Theater AG setzt meisterlich
Shakespeare-Komödie in Szene

Biedenkopf Die Theater AG der Lahntalschule Biedenkopf hat sich mit ihrer neuen Inszenierung an den Großmeister des Dramas gewagt und gestern Abend Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ in einer modernen Adaption auf die Bühne gebracht. Dabei ging es um nichts Geringeres als die Liebe und die seltsamen Blüten, die sie manchmal treibt. Ausgangspunkt des Stückes ist eine Abmachung zwischen Petruccio (gespielt von David Geßner) und seinen Freunden Gremio (Lars-Joel Frey), Hortensio (Mert Türk) und Lucentio (Laurin Schauerte). Die bieten ihm Geld, wenn er es schafft, der schroffen Caterina (Leonie Lichtenthäler) schöne Augen zu machen, sodass diese sich in ihn verliebt. Weil Petruccio nichts dringender braucht, als Geld, um der Einöde der Provinz und den Fängen seiner kontrollsüchtigen Mutter zu kommen, willigt er ein. Für Gremio, Lucentio und Hortensio ist der Pakt allerdings nur ein Vorwand. Denn sie haben sich alle drei in Caterinas jüngere Schwester Bianca (Annika Frey) verliebt und buhlen um deren Gunst. Allerdings gibt der strenge Vater, Signore Baptista (Maximilian Scharf), die jüngere Tochter nur frei, wenn die ältere schon unter der Haube ist. Es kommt, wie es kommen muss: Petruccio verliebt sich tatsächlich in die bisweilen ziemlich kratzbürstige Caterina und schafft es auch, sich in deren Herz zu schleichen. Doch gerade als die beiden sich tatsächlich näher kommen, holt Petruccioo seine Abmachung ein. Und der Angebeteten gefällt es so gar nicht, lediglich ein Wetteinsatz zu sein. Mit viel Geschick kontrastieren die Darsteller ihre Charaktere und spielen dabei genüsslich mit Vorurteilen: Die temperamentvollen Italiener, allen voran der Familienpatriarch, der zuhause mit lauter Stimme regiert, die bockige Tochter, die vom spießigen Kleinbürgertum die Nase voll hat, und die typischen deutschen Touris, die sich nicht nur in alles einmischen, sondern auch alles besser wissen – verleihen dem gelungenen Stück eine heitere Note. Dabei ist es dem engagierten Spiel der jungen Darsteller zu verdanken, dass die Stereotypen so herrlich lebendig werden und an Tiefe gewinnen. Leonie Lichtenthäler nimmt man die eigensinnige Tochter, die so gar keine Lust auf die Avancen irgendeines Dorftrottels hat, sich im Laufe des Stückes aber eines Besseren belehren lässt, ebenso gerne ab wie Maximilian Scharf das cholerische Familienoberhaupt oder David Geßner den ziemlich entnervten Freier, der sich auch mit den Restaurantgästen anlegt, die er eigentlich bedienen soll. Wie sehr sich die Darsteller in ihre Rollen hineinversetzen, zeigt nicht zuletzt das Beispiel Benjamin Beckers, der sich als singender Poet in den Reigen der Verehrer Biancas einreiht und ihr immer wieder Liebeslieder singt. Denn dazu griff Becker keineswegs auf Vorlagen zurück, sondern schrieb kurzerhand seine eigenen Lieder und vertonte diese auch. Dank des beherzten Spiels der Darsteller entpuppt sich ihre Inszenierung am Ende nicht nur als spannend und amüsant, sondern ebenso als ein Lehrstück der Charakterkunde und Unbeherrschbarkeit der Liebe. Die lässt sich nicht erzwingen, sondern findet, wie das Leben, ihren eigenen Weg. Wer die Premiere gestern Abend versäumt hat, hat heute und morgen noch einmal die Gelegenheit, sich in Shakespeares Welt entführen zu lassen. Jeweils um 19 Uhr gibt es weitere Aufführungen von „Die Widerspenstigen“. Der Eintritt ist dabei frei, um eine Spende zur Unterstützung der Arbeit der Theater AG wird aber gebeten. (val)