44 Schüler aus Deutschland, Frankreich und Tschechien schildern ihre Erfahrungen

Tourismus ist nicht nur ein Segen

44 Schüler aus Deutschland, Frankreich
und Tschechien schildern ihre Erfahrungen

Biedenkopf Eignet sich Biedenkopf als Urlaubsort für junge Menschen? Mit dieser Frage haben sich jetzt 44 Schüler der neunten Klassen aus Deutschland, Frankreich und Tschechien an der Lahntalschule Biedenkopf beschäftigt. Sie nahmen an einem europäischen Erasmus-Projekt zum Thema „Nachhaltiger Tourismus“ teil. Dabei könnten die Gegensätze kaum größer sein, als bei dieser Gruppe, stellte Lehrerin Gerlind Niemer fest. Biedenkopf könne man nicht unbedingt einen florierenden Tourismus unterstellen. Český Krumlov, wo die tschechischen Schüler herkommen, hingegen umso mehr. „Die Stadt liegt an der Moldau und viele Prag-Touristen kommen dort zu einem Tagesausflug hin“, erklärte sie. So berichteten die tschechischen Schüler davon, wie überlaufen die Stadt manchmal sei und wie genervt sie mitunter von den Touristenströmen sind. Ebenso machten die deutlich, dass der boomende Tourismus keineswegs nur Vorteile für die Menschen bedeutet. Im Gegenteil: Der Stadt beschere der Menschenstrom erheblichen Müll, erzählten sie. Hinzu komme, dass überall Hotels aus dem Boden sprießten und das historische Stadtbild beeinträchtigten, für das Český Krumlov bekannt ist. Auch die Bewohner seien keineswegs nur glücklich über die Schar an Touristen, sagten die Jugendlichen. Denn die Besucher treiben die Preise nach oben. Ob Restaurants oder bei Übernachtungen – überall müsse mehr gezahlt werden. „Biedenkopf bildet da einen tollen Kontrast zu dieser Entwicklung“, betonte Niemer. Einen ausgeprägten Tourismus wie in Český Krumlov gebe es hier keinen. Das erfuhren die Schülerinnen und Schülern auch bei einem Besuch im Rathaus deutlich, wo sie mit Wolfgang Müller, Leiter des Fachbereich Tourismus bei der Stadt, sprachen. Zwar habe der Fremdenverkehr durch die Wander- und Radwanderwege in den vergangenen Jahren etwas zugelegt, berichtete der. Dadurch seien auch neue Hotels entstanden. Aber der Fokus liege sicherlich nicht darauf. Die Zahl an Übernachtungen durch Arbeiter oder Geschäftskunden der in der Region ansässigen Unternehmen liege deutlich höher als die der Touristen. Als ein Ziel des Projekts sollten die Schüler eine kleine Broschüre erstellen, in der sie festhielten, welche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung Jugendlichen geboten werden, die Urlaub in Biedenkopf machen. Dabei fassten sie vor allem jene Aktivitäten zusammen, die sie während ihres Aufenthalts selbst erlebt haben. Neben einem Besuch der Schlösser in Marburg und Biedenkopf war das etwa eine Geocaching-Tour, die durch das Schulbiologiezentrum des Landkreises organisiert wurde, oder auch eine Radtour auf dem Lahnradweg. Ebenso gefiel ihnen aber auch der Besuch der Lahnauen. Hier stellte Matthias Schneider vom Nabu den Jugendlichen die Bedeutung dieses Projektes für den Natur-und Landschaftsschutz vor. Dabei gehe es darum, die natürliche Auenlandschaft so nachzubilden, wie sie früher einmal aussah, um den Tieren und Pflanzen dadurch einen adäquaten Lebensraum zu bieten. (val)

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