Steinhöfel zeigt, wie Rico und Oskar laufen lernen

Steinhöfel zeigt, wie Rico und Oskar laufen lernen

Autor plaudert in der Lahntalschule
über die Entstehung eines Trickfilms

Biedenkopf Wie ein Zeichentrickfilm entsteht haben die Siebtklässler an der Lahntalschule Biedenkopf jetzt aus erster Hand von Andreas Steinhöfel erfahren. Der schreibt nämlich nicht nur Kinderbücher, sondern produziert seine „Rico und Oskar“-Abenteuer auch als kleine Filme für die „Sendung mit der Maus.“ Am Anfang eines jeden Films – egal ob Zeichentrick oder Real – stehe das Drehbuch, erklärte Steinhöfel den Schülern. Darin stecke nicht nur die komplette Geschichte, die in dem Film erzählt werden soll, sondern auch schon erste Anweisungen, wie die Szenen später einmal aussehen sollen. Dennoch sei es einfacher, Drehbücher zu schreiben, als richtige Bücher, betonte Steinhöfel. Das liege vor allem an deren systematischen Aufbau. „Man muss zum Beispiel nicht erzählen, wie das Wetter ist oder welche Tageszeit gerade ist, sondern schreibt einfach Herbst/Abend/Draußen.“ Hinzu kämen noch einige Fachbegriffe für Kamera- und Regieanweisungen, „aber das sind nicht viele. Die lernt man schnell“, so Steinhöfel. Aufgrund des Drehbuchs wird dann ein Storyboard erstellt, das die einzelnen Szenen und Einstellungen grafisch darstellt. Auf diese Weise erhalte der Kameramann auch Eindrücke davon, wie er filmen soll, erklärte Steinhöfel. Wer jetzt denke, danach könne endlich der Dreh beginnen, täusche sich gewaltig, wie Steinhöfel aus eigener leidvoller Erfahrung weiß. Bis es soweit ist, gehe noch eine ganze Menge Zeit ins Land. Denn die Orte und Räume, in denen die Geschichte spielt, die Kleidung der Figuren, das Mobiliar und selbst die Farben werden einzeln abgestimmt. Bei Trickfilmen kommen dann Stimmcastings mit Dutzenden Bewerbern für die Figuren hinzu. Dabei erklärte Steinhöfel auch, warum die Figur des Rico von einem Mädchen gesprochen wird. Jungs in dem Alter der Figuren kämen natürlich irgendwann in den Stimmbruch und dann passe die Stimme nicht mehr zur Figur, sagte Steinhöfel. Erst wenn all das geklärt sei, gehe es an den eigentlichen Dreh, der bei einem Zeichentrickfilm nicht mit Kameras geschieht. Stattdessen hauchen Zeichner und eine Animationssoftware den Charakteren des Films Leben ein. Von dem fertigen Produkt konnten sich die Schüler dann auch selbst überzeugen. Steinhöfel hatte die Folge von „Rico und Oskar“, über die er zuvor erzählt hatte, mitgebracht und erläuterte anhand dieser auch, was selbst bei einem Trickfilm schief gehen kann. Seine eigene Produktionsfirma „Sad Origami“ hat Steinhöfel vor ein paar Jahren zusammen mit einem Kollegen gegründet, um speziell für die „Sendung mit der Maus“ produzieren zu können. Neben dem Job des Drehbuchautoren übernimmt er dabei auch die Aufgabe des Produzenten, die allerdings ungleich weniger Spaß mache, als das Schreiben, gibt er zu. „Denn als Produzent hat man die Aufgabe, die Kosten im Blick zu halten und dafür zu sorgen, dass das Budget ausreicht“, betonte er. Und diese Kosten liegen bei einem Trickfilm tatsächlich höher, als bei einem vergleichbaren Realfilmbeitrag. Pro Minute rechnet man bei einem Trickfilm mit Kosten von rund 12000 Euro, erklärte Steinhöfel des staunenden Schülern. Bei einem Realfilm sind es nur um die 10000 Euro. (val)