Kanadierin zeigt Lahntalschülern, wie ein Liebeslied entsteht

Aus dem Kopf auf das Notenblatt

Kanadierin zeigt Lahntalschülern, wie ein Liebeslied entsteht

Biedenkopf Wie aus einer Idee im Kopf ein kompletter Song entsteht, hat jetzt eine Gruppe Lahntalschüler in einem Workshop mit der kanadischen Sängerin Lynne Hanson gelernt. Die kitzelte dabei ordentlich die Kreativität der überwiegend Neuntklässler und konnte am Ende mit diesen tatsächlich einen eigenen Song anstimmen. Als erstes gehe es natürlich darum, ein Thema zu finden, über das man singen möchte, erklärte Hanson ihren Lehrlingen. Meist werde man dabei von einer bestimmten Stimmung getrieben, in der man sich gerade befinde. Im Falle der Jugendlichen stand schnell fest: Es soll ein Liebeslied werden – und zwar ein eher trauriges. Entsprechend stimmte Hanson die Akkorde auf ihrer Gitarre ab und präsentierte den Schülern eine erste Melodie, zu der sie nun einen Text ersinnen sollten. Für den Anfang helfe dabei immer ein wenig Brainstorming, empfahl die Expertin und forderte von den Jugendlichen, nach Wörter zu suchen, die die Stimmung der ersten Strophe ausdrückten. Nach und nach entstand dabei das Bild eines Jungen, der keinen anderen Gedanken fassen kann, als die den an seine Freundin. „Was passiert dann weiter?“, hakte Hanson nach und deutete eine mögliche Marschrichtung für die zweite Strophe an: „Was wäre, wenn die Freundin jemand anderen liebt?“ Ein Lied erzähle auch immer eine Geschichte und sollte entsprechend spannend aufgebaut sein. Als besonders wichtig stellte die Sängerin den Refrain eines Liedes heraus. Der bringe das Thema gezielt auf den Punkt, erklärte sie. Dabei müsse er aus gar nicht vielen Worten bestehen. „Manchmal sind ein paar gute Worte sinnvoller, denn dann kann das Publikum einfacher mitsingen“, betonte Hanson. Und das sei für einen Sänger immer ein besonders tolles Gefühl. „Wie würdet ihr eurer Liebsten sagen, dass sie alles für euch ist?“, regte die Kanadierin die Schüler zum Nachdenken an. Der Vorschlag eines Mädchens klang ebenso simpel, wie effektiv: „Ich liebe dich!“ Dennoch bestehe die Kunst des Songwritings darin, Bekanntes neu auszudrücken, erklärte Hanson. Gemeinsam mit den Schülern entwickelte sie schließlich einen Refrain, der die Stimmung des Songs aufgriff und zuspitzte: „Warum tut es weh, dich zu lieben? Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken. Baby, ich bin der Richtige für dich. Lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich liebe.“ Bevor der Song aber wirklich endgültig aufgeschrieben werde, sollte man ihn sich noch einmal genau anschauen, empfahl die Sängerin. Bei ihr sehe am Ende meist kein Lied so aus, wie in der ursprünglichen Version, als sie es sich ausgedacht habe. Beim Überarbeiten werde immer irgendetwas verändert und ergänzt, damit am Ende auch wirklich alles rund klingt und man den Song auch vor Publikum spielen könne. Parallel zu dem Songworkshop mit Lynne Hanson fand ein zweiter Workshop statt, in dem Hansons Bassistin Marie-Josèe Dandeneau interessierten Schülern zeigte, wie traditionelle nordamerikanische Bänder geknüpft werden. (val)

Ergänzung des Artikels von A. Jüngst/LTS : MJ (Marie-Josée) motivierte rund 50 Schüler/innen der Klassen 9b und 9e für diese Handarbeit der indigenen Bevölkerung Kanadas, dem sogenannten sash weaving (dem Weben mit den Händen). Selbst etwas „ungelenke“ Hände konnten am Ende des Workshops ein selbst gewebtes Arm- oder Stirnband mit nach Hause nehmen. Frau Klingelhöfer hatte zuvor in ihrem Geschichtsunterricht der Klasse 9b (Frau Jüngst im Englischunterricht der Klasse 9e) in einer Unterrichtseinheit das Thema Native Americans/Canadians aufbereitet und die historischen Zusammenhänge durch die Schüler erarbeiten lassen. Als Mitglied der Gruppe der sogenannten Métis (ein indigenes Volk Kanadas) konnte MJ aufkommende Fragen der Schüler/innen beantworten und überzeugte mit eigens mitgebrachten, farbenfrohen Werken des sash weaving. Das Angebot, den Vormittag in einem Restaurant ausklingen zu lassen, lehnten die Beiden ab und entschieden sich stattdessen für eine leckere Mahlzeit aus der schuleigenen Cafeteria. Insgesamt war es ein gelungener Vormittag mit zwei beeindruckenden Künstlerinnen aus Kanada, welche in den kommenden Wochen noch weiterhin als Musikerinnen (Lynne Hanson & The Good Intentions) in Deutschland und Europa auf Tour sein werden (Lynne-Sängerin, MJ-Bass).

Vielen Dank an alle Schülerinnen und Schüler und an Lynne und MJ!