Bausteine zu einem medienpädagogischen Curriculum
Sekundarstufe I:

Lahntalschule
  • Einführung in die Filmanalyse am Beispiel einer Jugendbuchverfilmung in der Jahrgangsstufe 6 (z.B.: Wolfgang Becker: Die Vorstadtkrokodile nach dem gleichnamigen Jugendroman von Max von der Grün):

Ausgehend von den Fragen: Mit welchen Mitteln wird im Film Spannung erzeugt? Welche besonderen filmischen Mittel lassen sich im Vergleich zur literarischen Darstellung des Buches ausmachen? Können filmsprachliche Ausdrucksmittel wie Perspektive, Einstellungsgröße, Kamera- und Objektbewegungen, Muster der Montage, Filmmusik und ihre Funktionen etc. bis hin zu Genremustern eingehend untersucht werden? Anschließend werden der Aufbau des Drehbuches, die Arbeit des Regisseurs mit den jugendlichen Laiendarstellung und die Werbekampagne der ARD zum Film thematisiert.

  • Zeitungsprojekt in der Jahrgangsstufe 8 bzw. 9 in Zusammenarbeit mit einer Regionalzeitung vor Ort bzw. der Frankfurter Rundschau

An einem Projekttag werden zunächst Aufbau, Ressorts, Layout, Rolle der Werbung von verschiedenen Zeitungen im Vergleich erarbeitet und das eigene Leseverhalten reflektiert. Nachdem anschließend die verschiedenen Formen (Nachricht, Bericht, Kommentar, Glosse) des Schreibens in einem Printmedium und deren sprachliche Mittel kennen gelernt worden sind, erproben die Schülerinnen und Schüler aktiv Techniken des journalistischen Schreibens und der Recherche, um selbst Artikel für die entsprechende Zeitung zu verfassen. Zudem wird auch ein Einblick in die redaktionelle Arbeit (Diskussion mit einer Redakteurin), Technik und Vertrieb (Besuch der Druckerei) vermittelt.

  • Auseinandersetzung mit Fernsehserien in der Jahrgangsstufe 8:

Ausgangspunkt ist das eigene Rezeptionsverhalten der Schülerinnen und Schüler vor dem Fernseher:
Welches ist meine Lieblingsserie, warum schaue ich sie so gerne, was gefällt mir an ihr am besten?
Um genauer klären zu können, was die besondere Faszination von Serien auf den Zuschauer ausmacht, wird die Dramaturgie der favorisierten Serie, die Inszenierung von Milieu, Figuren und ihren Beziehungen, die angesprochenen Themen wie die Organisation der dargebotenen Handlung, genauer analysiert. Dabei werden auch die Kenntnisse zu den filmsprachlichen Mitteln vertieft.

Außerdem wird den Unterschieden von Serie, Daily Soap und Reihe, der Geschichte und Entwicklung von Serien sowie ihrem Sendeplatz und Umfeld, damit auch der Beziehung zur Werbung, nachgegangen.

  • Auseinandersetzung mit Talkshows in der Jahrgangsstufe 10

Nach der Bearbeitung und Diskussion eines Fragebogens zum Rezeptionsverhalten steht zunächst der ritualisierte Sendebeginn (Vorspann/Anmoderation) der von den Schülerinnen und Schülern bevorzugten Talkshow im Zentrum. Dabei wird bereits die gezielte Wahrnehmungssteuerung der Zuschauer deutlich, die die Gesamtinszenierung bestimmt. Aspekte wie die bis ins Detail ausgefeilte Lenkung des Blicks, die Gestaltung von Studio und Raumerleben, von Zuschauer- und Gästeplazierung, Ton, Musik, Geräuschen etc. machen deutlich, dass hier bei aller vordergründigen Spontaneität nichts dem Zufall überlassen bleibt, um Dynamik, Offenheit und Lebendigkeit zu suggerieren.
Die Untersuchung der Gesprächsdramaturgie, die mit wechselnden Inhalten schematisierten Mustern folgt, wie der Themen legt offen, dass auf Unterhaltungswert und Quote abgezielt wird, eine echte Gesprächssituation letztlich nicht zustande kommt, hier Gesprächsteilnehmer vielmehr funktionalisiert werden sowie der Voyeur im Zuschauer angesprochen wird.

  • Auseinandersetzung mit Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehens in der Jahrgangsstufe 10

Auf die Auseinandersetzung mit den eigenen Vorerfahrungen mit dem Medium Fernsehen und einen Einblick in dessen Geschichte und Entwicklungsgang folgt ein Vergleich von Fernsehnachrichten im öffentlich-rechtlichen (Tagesschau, ARD) und privaten Fernsehen (18.30 Nachrichten, SAT 1), der die Vorerfahrungen hinsichtlich Strukturierung und Präsentation der jeweiligen Nachrichtenformate präzisiert.
Aufbau, Schwerpunkte und Gestaltungsformen werden erarbeitet und die Intentionen der Programm-Macher angesprochen. Beleuchtet wird auch, wie der Zuschauer geradezu von einer Informationsfülle, in knappen Häppchen dargeboten, überrollt wird, zumal Text- und Bildinhalt häufig auseinander klaffen. An den Schwerpunkten Perspektivwahl und Bildmontage wird zudem untersucht, wie weit den authentisch daher kommenden Bildern überhaupt zu trauen ist.
An einem Nachrichtenblock können die Schülerinnen und Schüler in Eigenproduktionen überprüfen, wie Auswahlverfahren, Bild-Textgestaltung etc. die Bilder von der Welt in den Köpfen der Zuschauer präfigurieren.

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