Publikum lobt hohes Niveau und inszenatorisches Geschick

Lahntalschüler beeindrucken mit Faust-Collage

Publikum lobt hohes Niveau
und inszenatorisches Geschick

Biedenkopf (sval) Die Schülerinnen und Schüler des Q3-Kurses Darstellendes Spiel von Ralf Grebe an der Lahntalschule Biedenkopf haben sich mit einem kleinen Meisterwerk in die Weihnachtsferien verabschiedet. Ihnen gelang es, Goethes „Faust“ als eine Collage der wichtigsten Szenen der Tragödie in einem gerade einmal 50-minütigen Stück auf die Bühne zu zaubern. Für diese Leistung ernteten die jungen Schauspieler im Anschluss an ihre Inszenierung nicht nur minutenlangen Applaus, sondern auch anerkennendes Lob aus den Reihen des Publikums. So attestierten manche Zuschauer dem Stück ein besonders hohes Niveau oder lobten das beachtliche Fingerspitzengefühl bei der Interpretation des umfangreichen Stoffes. „Natürlich konnten wir nicht alle 4500 Zeilen des Werks auswendig lernen“, hatte Kursleiter Grebe zu Beginn der Aufführung klargestellt. Dann kämen die Darsteller an einem Abend nicht zum Ende und das Publikum nicht nach Hause, scherzte Grebe. Stattdessen habe die besondere Herausforderung für die Schüler darin bestanden, den Stoff zu verdichten, dessen Essenz herauszuarbeiten und anschließend mit jenen szenischen Mitteln umzusetzen, die sie in ihrem Unterricht gelernt haben. Und das ist den Jugendlichen vorbildlich gelungen. Sogar die Originalsprache und den Duktus Goethes Meisterwerk behielten sie in ihrer Inszenierung bei, sodass die Zuschauer immer wieder den auch in der Alltagssprache zu geflügelten Worten gewordenen Wendungen begegneten. Schon für den Beginn ihres Stückes erlaubten sich die Schüler einen pfiffigen inszenatorischen Kniff: In einer Art gespieltem Inhaltsverzeichnis nahmen sie die ausgewählten Episoden in Kurzform vorweg und boten ihren Zuschauern dadurch ein szenisches Skelett, das sie in der Folge mit dem Fleisch der Geschichte füllten. Ebenfalls gelungen: Damit das Publikum bei den wechselnden Hauptrollen nicht den Überblick verlor, kennzeichneten die Darsteller ihre Figuren mit eindeutigen Symbolen: So wurde Faust durch eine Taschenuhr als Sinnbild für den gebildeten Menschen verkörpert, Mephisto wurde zur Maskerade und Gretchen durch eine rote Kette dargestellt. Ebenso treffsicher wie der Einsatz der stilistischen Mittel fiel auch die Auswahl der Szenen aus. Von der Abmachung Mephistos mit Gott über den zweifelnden und hadernden Faust, die Szene in Auerbachs Keller und den von Mephisto gesteuerten Kampf Fausts mit Gretchens Bruder Valentin bis zur finalen Einsicht Goethes bildeten die Schüler alle wichtigen Stationen des Werkes ab und bescherten damit so manchem Literaturfreund einen erbaulichen Abend.