Lahntal- und Berufsschule machen bei Suchtprävention gemeinsame Sache

Aufwühlendes Theater: Mit Emotionen gegen Drogen

Lahntal- und Berufsschule machen bei
Suchtprävention gemeinsame Sache

Biedenkopf (sval). Nachdem die Suchthilfeklinik Reddighausen Mitte vergangenen Jahres geschlossen wurde, ist für die Lahntalschule Biedenkopf ein wichtiger Baustein ihrer Suchtpräventionswoche weggebrochen. Die Suchtkranken der Klinik hatten die LTS jedes Jahr besucht und mit einem selbstinszenierten Theaterstück eindringlich vor den Folgen des Drogenkonsums gewarnt. „Uns fehlt dieser Blick von außen auf das Thema Sucht sehr“, gab Andrea Schneider vom Suchtpräventionsteam der LTS zu. Nicht nur von Lehrern, sondern aus erster Hand von Betroffenen zu erfahren, was Drogen mit Körper und Geist anstellen, sei für die Schüler und deren Perspektive auf das Thema sehr wichtig, betonte sie. Um diesen Baustein des Suchtpräventionskonzepts zumindest teilweise aufrecht zu erhalten, machen nun die Lahntalschule und die Beruflichen Schulen gemeinsame Sache. „Wir haben schon länger überlegt, wie wir die Nähe unserer beiden Schulen für eine Kooperation nutzen können“, erzählte Schneider. Bei der Suchtprävention sei jetzt ein gemeinsamer Schnittpunkt gefunden. Für den Auftakt der Zusammenarbeit hat die Berufsschule die Siebtklässler der LTS zu einem Theaterstück mit dem Weimarer Kultur-Express eingeladen. In dem Stück „Drogen – von Gras zu Crystal“ zeigten die beiden Schauspieler Sonja-Elisabeth Martens und Janning Sobotta, wie schleichend sich eine Sucht einstellt und wie dramatisch deren Folgen sein können. Dabei erzählten sie die Geschichte von Anne und Florian, die schon seit den Sandkastentage eine enge Freundschaft verbindet. Während Anne erfolgreich in der Schule ist und zu studieren beginnt, läuft es bei Florian jedoch weniger gut. Er beginnt zu kiffen, um den Stress in der Schule und Probleme mit den Eltern besser zu ertragen. Was anfangs als Lösung für ihn zu funktionieren scheint, setzt jedoch einen Teufelskreis in Gang: Florian braucht immer mehr Highs in immer kürzeren Abständen und greift irgendwann zu härteren Drogen: Crystal Meth, LSD und Kokain. Eindringlich arbeiteten die beiden Darsteller dabei heraus, wie diese Entwicklung nicht nur Florian, sondern vor allem auch die Beziehung zu Anne verändert. Selbst als er ihr gegenüber zunehmend aggressiver wird, will sie ihm helfen. Doch gegen den Wahn in seinem Kopf ist sie machtlos und so steuert das Stück unaufhaltsam auf seinen emotionalen Höhepunkt zu: Den Tod Florians! Die letzten Worte Annes, gerichtet an das Publikum, hallen diesem auch nach dem Ende des Stückes noch lange im Ohr nach: „Die Geschichte ist vielleicht erfunden, vielleicht auch erlebt – aber sie passiert jeden Tag überall. Und ich wünsche sie niemandem.“ Dass die beiden Darsteller ihr Publikum erreicht haben, zeigte nicht zuletzt deren Reaktion auf das Stück. Anfangs noch kichernd über die Verliebtheit der beiden Charaktere und Florians erste Gehversuche auf unbekanntem Drogenterrain, wich die Belustigung mehr und mehr einem Kloß im Hals über die vermeintliche Macht der Drogen, Freundschaften und Leben zu zerstören. Von ähnlichen Reaktionen bei den Berufsschülern, die das Stück ebenfalls erlebten, berichtete auch Katharina Huehn. „Mit zunehmender Dauer sind da doch einige ganz schon kleinlaut geworden“, betonte sie. Um die Wirkung des Stückes auf die Schüler zu dokumentieren, hat sie einen Onlinefragebogen erstellt, in dem die Jugendlichen angeben konnten, ob und wie sich ihre Einstellung zum Thema Drogen durch das Theaterstück geändert hat.