Ein Praktikum bei der Europäischen Raumfahrtagentur

Ein Praktikum bei der Europäischen Raumfahrtagentur

Im Zuge meines Berufsorientierungspraktikums, welches am Ende der Q1 absolviert wird, habe ich die Gelegenheit erhalten, dieses im Kontrollzentrum (ESOC) der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) zu absolvieren. Dabei war ich für zwei Wochen Teil des Teams des „Copernicus“ Programms, dem größten Umweltüberwachungsprogramm der Welt. Mein Praktikum begann am 21.01.2019 um 9 Uhr mit einem Fototermin für meinen ESA Ausweis, dieser ist notwendig, um die meisten Gebäude und das Gelände betreten zu können. Dies ist natürlich auch verständlich, da manche der von ESOC aus gesteuerten Missionen geheim sind. Danach habe ich meinen Laptop für die folgenden zwei Wochen erhalten und José Morales, meinen Tutor und den Chef des „Copernicus“ Programmes, kennengelernt. Er ist eine sehr freundliche, engagierte und hilfsbereite Person, besonders wenn man bedenkt, dass er der vierte in der ESOC-Hierarchie ist. Von ihm haben meine Mitpraktikantin und ich unseren Auftrag für die erste Woche erhalten. Der erste Auftrag bestand darin eine Liste von Fragen zu beantworten. Was wie eine einfache und schnelle Aufgabe wirkte, hat sich als ein langwieriger Auftrag herausgestellt. In ihm musste ich mich über das Programm, seine Satelliten (die Sentinels), deren Instrumente und Orbitale beschäftigen. Um es kurz zu beschreiben, gibt es 6 Sentinel- Familien, wovon dreieinhalb Familien (Sentinel-1, -2, -3 und -5P1) im Orbit sind. Die meisten befinden sich in einem „sun-synchronous“ Orbit, durch den sie von der Sonne her gesehen immer die gleiche Uhrzeit erleben. Sentinel-1 macht Radarbilder von der Erde, Sentinel-2 macht Bilder von der Erde in verschiedenen Spektren des Lichts, Sentinel-3 misst unter anderem Temperaturen und Farbe der Erde und Sentinel-5P misst die Zusammensetzung der Atmosphäre. Um darüber zu lernen, konnten wir immer mit den Experten, wie den zuständigen Managern und Ingenieuren, reden und ihnen Fragen stellen.
Meine zweite Aufgabe war es, eine „MIMIC“ für das Kommunikationssystem von Sentinel-6 zu entwickeln. In einer MIMIC werden die für die Funktion eines Satelliten wichtigen Parameter dargestellt. So kann der Satellit im Kontrollraum überwacht werden. Falls sich ein Problem ergibt, wird der Parameter rot und der Manager muss mit der Hilfe der Ingenieure eine Lösung für das Problem finden, indem er über den SPACON, die Person, die für die Kommunikation mit dem Satelliten zuständig ist, bestimmte Befehle an diesen sendet.
Neben den Aufgaben haben bestimmte Mitarbeiter von ESOC mir und den anderen Praktikanten Präsentationen gehalten. Dadurch konnten wir mehr über ihre Missionen, das Vorgehen und die Vorbereitung der ESA für Missionen und die verschiedenen Abteilungen bei ESOC erfahren. Dazu gehört unter anderem der Aufbau von Bodenstationen, die groben vorläufigen Berechnungen für eine Interplanetare Mission und den Betrieb der Satelliten durch regelmäßige Übermittlungen von Befehle. Natürlich geschah dies alles in der im ESOC dominanten Sprache, Englisch.
Was einem sofort auffällt, ist das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. Wie ich schon angemerkt habe, musste ich ihnen Fragen zu den Satelliten und System stellen, wofür sich fast jeder überraschend viel Zeit genommen hat; manche haben mich sogar spontan auf dem Gelände und den Tunneln, die alle Gebäude verbinden, herumgeführt, mir die Kontrollräume gezeigt und erklärt und mich nach dem Mittagessen regelmäßig auf einen Kaffee eingeladen. Dabei habe ich mit ihnen immer wieder faszinierende Gespräche geführt. Dies gilt auch für Personen in höheren Stellungen. Ich habe zwar vor allem auf Englisch mit den anderen kommuniziert, jedoch waren die Sprachen Italienisch und Spanisch ebenfalls bei der internationalen Belegschaft verbreitet. Mein Tutor hat zum Beispiel sechs Sprachen fließend gesprochen. Dies hat mich äußerst beeindruckt.
Meine Zeit bei der ESA hat mir sehr gefallen. Ich konnte viel lernen, Kontakte knüpfen, einem meiner größten Interessen, dem Weltraum und der Raumfahrt, nachgehen und mich mit Menschen unterhalten, die mir nicht nur fachlich, sondern auf fürs Leben Ratschläge und Wissen vermittelt haben. Die ESA ist aus meiner Sicht ein deutliches Zeichen dafür, wie durch friedliche internationale Kooperation, Engagement und Gemeinschaftlichkeit Großes geleistet werden kann und das ist ein schönes Zeichen, welches in die Welt hinausgetragen werden kann. Abschließend würde ich gerne noch eine Sache anmerken. Ein Praktikum bei der ESA ist eine große Ehre, trotzdem ist es kein unerreichbares Ziel. Ich bin nicht irgendein Auserwählter, der dieses Privileg genießt, sondern ein gewöhnlicher Schüler. Wenn man sich anstrengt, viel Interesse mitbringt, einen Ansprechpartner hat und das Englisch lernen nicht vergisst, ist ein Praktikum bei der ESA durchaus für viele möglich.

Von Luca Weigel

1 Das P steht für „Precursor“ (engl. Vorläufer), deswegen nur einhalb