„Schüler müssen merken, dass man sie wahrnimmt“

„Schüler müssen merken, dass man sie wahrnimmt“

Biedenkopf (sval). Mit dem Ende dieses Schuljahres hat sich Dr. Eberhard Scholl, Schulleiter der Lahntalschule Biedenkopf, in den Ruhestand verabschiedet. 37 Jahre war er an der LTS tätig, davon 16 als Schulleiter und dessen Stellvertreter. Dass der Abschied Scholls weitgehend geräuschlos verlief, liegt auch daran, dass es zuletzt Differenzen zwischen ihm und dem staatlichen Schulamt gab. Scholl selbst hätte seine Dienstzeit nämlich gerne noch um ein Jahr verlängert. „Ein Schulleiterwechsel ein Jahr später wäre sinnvoller gewesen, weil dann G8 komplett abgewickelt gewesen und auch noch einige laufende Baumaßnahmen weitgehend abgeschlossen wären“, erklärt er. Doch Schulamt und Kultusministerium verwehrten ihm seinen Wunsch. „Sie meinten, dass es dafür kein dienstliches Interesse gebe“, erzählt Scholl. So bekommt sein Ausscheiden aus dem Dienst nach 43 Jahren ein leicht bitteren Beigeschmack, „aber Abschied nehmen tut nun auch mal ein bisschen weh“, gibt er zu. Vor allem die Begegnungen mit den Menschen werde er vermissen. „Mich haben morgens, wenn ich unser Gebäude betreten habe, viele erwartungsvolle Kinderaugen begrüßt. Das hat mir immer wieder neuen Mut gemacht, diese Arbeit zu tun“, sagt er. Dabei habe er immer versucht, Schule nicht nur zu verwalten, sondern auch zu gestalten und sie dadurch zukunftsfähig zu machen. So war Scholl von 1987 bis 2003 auch erster pädagogischer Leiter des Schulbiologiezentrums des Landkreises, das an der LTS untergebracht ist, und hat in dieser Funktion versucht, den Schülern die Gesichtspunkte der Umweltbildung zu vermitteln. „Was man kennt und schätzt, ist man auch bereit zu schützen“, erklärt er seine Motivation dazu. Über die Jahre habe es so viele Entwicklungen gegeben, die zu einer hohen Akzeptanz der Lahntaschule in der Region geführt hätten, sagt Scholl und hebt etwa die Vielzahl verschiedener Bildungsschwerpunkte wie Sport, Musik oder Fremdsprachen hervor. Anders als Schulen im städtischen Umfeld, wo es per se ein größeres Bildungsangebot gebe, müssten die Schulen auf dem Land dafür sorgen, diese Angebote im Sinne der Schüler zu bündeln und ihnen zugänglich zu machen. Denn Schüler brauchen nicht nur Leitlinien und Vorbilder, sondern auch Vielfalt, um sich entfalten zu können. Deswegen freut sich Scholl auch, wenn der LTS von außen bestätigt werde, „dass sie eine gute Atmosphäre hat, die sich der Probleme der Kinder annimmt.“ Genau darum gehe es nämlich im Bildungswesen: „Die Schüler müssen merken, dass man sie wahrnimmt und sich für sie interessiert.“ Er habe einmal einem Schüler einfach nur gesagt, dass bei ihm noch mehr drin sei, erinnert sich Scholl. Danach habe der sein schulisches Engagement merklich gesteigert und seine Leistungen deutlich verbessert. Wie es mit der Pädagogik an den Schulen weitergeht, kann sich Scholl angesichts aktueller Büchertitel wie „Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?“ oder „Deutschland verdummt – Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut“ nur schwer vorstellen. Doch seinen Kollegen gibt er mit auf ihren weiteren Weg, sich Neuem nicht zu verschließen, ihm aber auch nicht auf Gedeih und Verderb nachzujagen. „Seien sie achtsam in dem, was sie tun“ und hinterfragen sie den Nutzen. Auch wenn Eberhard Scholl seine Aufgabe als Lehrer und Schulleiter vermissen wird, so freut er sich doch auch auf das, was vor ihm liegt. „Ich werde jetzt endlich mal Zeit für andere Dinge haben und diese auch zu Ende bringen zu können, ohne immer von den Anforderungen des Berufs unterbrochen zu werden“, lacht er. Lieb gewonnenes hinter sich lassen zu können und sich daran zu erinnern, während man sich neuer Aufgaben widmet – das macht schließlich das Leben aus.