9D vor Gericht

9D vor Gericht

Im Rahmen des Politik- und Wirtschaftsunterrichts und unseres Themas „Jugend und Recht“ besuchten wir mit unserer PoWi-Lehrerin Frau Lerch-Denfeld am Donnerstag, den 14.11.2019 eine Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Biedenkopf. Es handelte sich um ein Strafverfahren mit Anklage auf gefährliche Körperverletzung, das um neun Uhr begann.Die Strafrichterin forderte alle Beteiligten pünktlich auf einzutreten und kontrollierte darauf­hin die Anwesenheit der Vorgeladenen und belehrte sie, dass man vor Gericht die Wahrheit sagen müsse, ansonsten mache man sich strafbar. Anschließend wurden alle, außer dem Angeklagten, gebeten, draußen zu warten, bis sie aufgerufen und angehört werden.
Einherging die Aufnahme seiner Personalien und die Staatsanwältin verlas die Anklageschrift, in der es hieß, der Angeklagte habe dem Opfer durch Aussagen wie: „Ich steche dich ab“ gedroht, ihn zudem mit einer Glasflasche bedroht und versucht ihn körperlich zu attackieren, was aber rechtzeitig vom Opfer abgewehrt werden konnte. Nach Anhörung der Anklage belehrte die Richterin den Angeklagten über sein Aussageverweigerungsrecht, falls er sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage selbst belaste. Der Beschuldigte stritt die Anklagepunkte aber direkt ab und äußerte sich darüber hinaus mehrfach respektlos über das Opfer und den Vorfall, woraufhin die Richterin ihn durch Androhung eines Ordnungsgeldes zurechtweisen musste. Der Angeklagte schilderte, das Opfer habe die Flasche zur Drohung genommen, sodass er sie ihm habe abnehmen müssen, um sich selbst zu verteidigen. Außerdem habe er den Kläger zu keinem Zeitpunkt berührt oder beleidigt. Der ganze Vorfall sei nur geschehen, weil er die Freundin des Geschädigten aus Versehen mit einem Ball getroffen, das Opfer daraufhin eine Entschuldigung verlangte habe, er dieser Bitte lediglich habe nachkommen wollen, aber dann durch den immer fester werdenden Händedruck des Klägers provoziert worden sei. Das Fragerecht wurde eingeräumt, aber es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine Fragen.
Als Nächster wurde das Opfer aufgerufen, dessen Personalien aufgenommen und gefragt, ob er wisse, worum es sich handele. Er begann sofort mit seiner Schilderung der Tat. Der Beschuldigte habe ihm verbal und körperlich gedroht, die Glasflasche als Erster ergriffen, sodass der er sie ihm habe wegnehmen müssen, wobei sich die hohe Aggressivität des Täters gezeigt habe. Hinzu komme, dass der Angeklagte nach Abnahme um sich geschlagen und ihn beleidigt habe. Er sei kurz vor einem Schlag gewesen und habe auch Androhungen gemacht, die Flasche als Waffe einzusetzen, die er sich ein zweites Mal geholt, aber diese durch das Zu-Hilfe-Kommen anderer wieder habe fallen lassen. Auch soll er daraufhin das Schwimmbad, in dem der Vorfall stattfand, verlassen haben. Sein Fragerecht nutzte der Angeklagte, um sich unangemessen über das Opfer zu äußern, woraufhin er erneut zurechtgewiesen werden musste.
Die nächste Zeugin war die Freundin des Opfers, die die Schilderung ihres Freundes genau bestätigte, Einzelfragen auf Nachfrage der Richterin jedoch nicht genau beantworten konnte.Die weiteren vier Zeugen bestätigten die verbale Auseinandersetzung sowie die hohe Aggressivität, die vom Angeklagten ausging, sein streitsuchendes Verhalten, die Androhung eines Schlages durch die Glasflasche, die Abnahme und Abwehr dieser durch das Opfer und die Bedrohung, die ebenfalls durch den Beschuldigten stattfand. Die letzte Zeugin stimmte nicht mit den anderen überein, sie war allerdings auch die Frau des Angeklagten, die über ihr Zeugenverweigerungsrecht aufgeklärt wurde, es aber ablehnte. Sie wiederholte die genauen Aussagen ihres Mannes und auf Nachfrage, weshalb sie mit allen anderen Zeugen nicht übereinstimmte, behauptete sie, es sei niemand der Zeugen am Tatort gewesen, was jedoch nicht stimmte. Daran anschließend folgte die Klärung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten, bei der er zunächst nur nach mehrfacher Aufforderung eine Antwort abgab, die sich aber sehr fragwürdig anhörte. Auch bei der Verlesung seines Bundeszentralregisterauszugs beklagte er sich, was dies für einen Sinn habe. Dort waren sechs Einträge festgehalten, die mehrfache Körperverletzung, schweren Raub, Drohung und Fahren ohne Fahrerlaubnis beinhalteten. Damit wurde die Beweisaufnahme geschlossen, eine Pause gemacht und schlussendlich das Plädoyer gehalten, in dem der Angeklagte als alleiniger Aggressor genannt und seine Frau der Falschaussage beschuldigt wurde. Geahndet wurden versuchte Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung, in die ebenso die Vorstrafen und Sinnlosigkeit der Tat einflossen, für die die Staatsanwältin eine Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 30 Euro forderte. Das ihm zustehende letzte Wort nutzte der Angeklagte um Ausreden zu finden, seine Tat nun doch zuzugeben, aber sogar dazu, sich über das mangelnde Verständnis der Staatsanwältin zu beklagen, die nach seiner Auffassung ihren Job fehlerhaft ausübe. Nach der Unterbrechung verkündete die Richterin das Urteil, das sich auf eine Geldstrafe von 85 Tagessätzen zu je 30 Euro wegen versuchter Körperverletzung und versuchter Nötigung belief. Abschließend folgt die Belehrung der Rechtsmittel: Revision oder Berufung. Während des gesamten Prozesses haben sich der Angeklagte sowie seine Frau respektlos und unangemessen gegenüber der Richterin und der Staatsanwältin verhalten. Er wollte trotz mehrmaliger Bitten seine Kappe nicht absetzen, was den Regeln des Gerichts widerspricht. Zusätzlich unterbrach er einige Zeugenaussagen. Seine Frau störte das Plädoyer mit einem Lachen und leistete Meineid, indem sie die Falschaussagen ihres Mannes in vollem Umfang bestätigte. Ihr droht jetzt ein Strafverfahren, was ihr Meineid mit einer Freiheitsstrafe geahndet wird, und das alles aus Loyalität zu ihrem Mann, der voraussichtlich mit einer geringeren Strafe als sie davonkommt. Abschließend lässt sich sagen, dass der Gerichtsbesuch ein eindrucksvoller Ausflug war und es interessant war zu sehen, wie eine Strafverhandlung abläuft. Wir haben viel über den Strafprozess und das Gerichtswesen gelernt.

Verfasserinnen: Marlisa Freund und Alicia Schwarz