Selbstzweifel sind das Einfallstor der Sucht

Selbstzweifel sind das Einfallstor der Sucht

Biedenkopf (sval)

Niemand sollte dem leichtfertigen Glauben verfallen, gegen eine Abhängigkeit von Drogen gefeit zu sein. Das haben zwei Darstellerinnen des Weimarer Kulturexpress mit ihrer Aufführung im Rahmen der Suchtpräventionswoche an der Lahntalschule Biedenkopf deutlich gemacht. In dem Stück zeigten sie, dass auch „ganz normale Leute“ den Verlockungen der Sucht verfallen können – so wie die Figur der Frieda, deren Geschichte sie erzählten. Probleme in der Schule, Druck von Zuhause, ein durchgetaktetes Leben, in dem kein Platz mehr für die eigenen Wünsche bleibt – all das lässt Frieda nach einem Fluchtweg vor den Selbstzweifeln und Belastungen des Alltags suchen. Und den findet sie schließlich in dem vermeintlich harmlosen Joint, der sie die Dinge viel lockerer sehen und ihre Probleme besser ertragen lässt. Zwar warnt ihre beste Freundin Anne sie vor den Folgen. Doch wie gefährlich kann ein Stoff schon sein, der sogar in der Medizin eingesetzt wird, um Menschen zu helfen, argumentiert Frieda darauf. Ohne, dass sie selbst es beeinflussen kann, setzt sie damit einen Teufelskreis in Gang, der ihr immer mehr den Boden unter den Füßen wegzieht. Denn irgendwann reicht die Wirkung des Gras nicht mehr aus und härtere Drogen müssen her, um ihre . Anne muss mit ansehen, wie sich ihre Freundin immer weiter selbst zu Grunde richtet und ihrer Sucht am Ende sogar erliegt. „Vielleicht war es nur eine Geschichte. Vielleicht habe ich sie aber auch selbst erlebt“, richtete sich Koki Lemma, Darstellerin der Anne, zum Ende des Stückes an ihr Publikum und zwang die Schüler damit noch einmal ganz direkt darüber nachzudenken, wie dicht an der eigenen Lebenswelt die Inszenierung war. Schließlich setzte sie noch einen nach: „Geschichten wie diese geschehen jeden Tag.“ Dem Kulturexpress ist es mit der Inszenierung gelungen, sowohl die Auslöser und Prozesse deutlich zu machen, die zu einer Abhängigkeit führen können, als auch fesselnd darzustellen, welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen und deren Umfeld hat. Vor allem die Szene, in der die beiden Darstellerinnen kurz aus ihren Rollen ausbrachen, um stichpunktartig die Wirkungen verschiedener Drogen aufzuzählen, beeindruckte nachhaltig. Denn die eine nannte dabei all jene Punkte, die die Rauschmittel für die Süchtigen so unwiderstehlich machen, während die andere die körperlichen und geistigen Folgen aufzählte – bis hin zum Herzstillstand. „Die Ich-Stärkung ist zweifelsohne ein ganz wichtiger Aspekt der Suchtprävention“, stellte schließlich auch LTS-Schulleiterin Sabine Schäfer-Jarosz fest. Den Schülern dies zu vermitteln, darum gehe es in dieser Woche. Neben den Lahntalschülern kamen auch die Schüler der benachbarten Berufsschule in den Genuss des bewegenden Stücke. Beide Schulen hatten den Kulturexpress gemeinsam ins Hinterland geholt.

Anne (links), gespielt von Koki Lemma, versucht ihre Freundin Frieda (Sarah Honnen) vor den Folgen des Grasrauchens zu warnen. Doch die schlägt die Befürchtungen in den Wind.
Irgendwann reicht das Gras Frieda (rechts) nicht mehr aus, um ihre Probleme zu übertünchen und sich steigt nach und nach auf härtere Drogen um.