Worte unseres Schulseelsorgers

Gott hat uns nicht den Geist der Furcht, sondern der Liebe und der Kraft und der Besonnenheit gegeben.

2. Timotheus 1, 7

Die erste Woche zu Hause ist geschafft. Wir haben uns noch nicht ganz daran gewöhnt, aber es wird klar, wie groß der Anteil der Zeit ist, den wir normalerweise mit Schule verbringen.
Die Schüler und Schülerinnen haben ihre ersten Wochenpläne abgearbeitet. Die ersten Tage des Abiturs sind unfallfrei gelaufen, und die Eltern sind für das Wochenende von ihrem Job als Hilfslehrer erlöst. Die ersten Streitereien um das Fernsehprogramm, die Auswahl der Spiele auf der Konsole und die Diskussionen, welche Lieblingsserie bei Netflix, Maxdome oder sonst wo geschaut wird, liegen hinter uns und wir haben vielleicht sogar ungewohnt oft und viel in den Familien miteinander geredet. Vielleicht sind wir uns auch zeitweise richtig auf den Keks gegangen, weil wir uns nicht aus dem Weg gehen konnten, weil wir uns an die Empfehlungen gehalten haben, so wenige soziale Kontakte wie möglich zu haben. Eine durchwachsene Bilanz, so denke ich, für die meisten.
Und über oder unter allem stecken  im Hintergrund die bangen Fragen: Werde ich infiziert und wie werde ich gegebenenfalls damit umgehen und damit fertig werden? Was wird, wenn jemand, der mir lieb und teuer ist, ernsthaft erkrankt?
Die andere Frage, die wohl auch die meisten bewegt, ist: Wie lange wird es dauern?
Auf diese Fragen hat bisher keiner eine ernstzunehmende Antwort. Und das erzeugt Unsicherheit und vielleicht Furcht vor der Zeit, die jetzt kommt.

Hier ist es gut,  sich auf Worte wie das von Paulus, dem Apostel, zu besinnen. Er lebte auch in einer unsicheren Zeit, weil keiner sagen konnte, was aus diesem neuen Glauben werden würde. Die ersten Christen wurden zunächst misstrauisch beäugt und später dann sogar verfolgt. Die Situation war historisch anders, dieses Gefühl der Unsicherheit war aber wohl dasselbe. Es hing meist nicht vom eigenen Engagement ab, wie es weitergehen würde, man fühlte sich ausgeliefert.
Paulus bekommt diese Unsicherheit bei seinen Mitchristen und seinen Mitarbeitern mit und will ihnen den Rücken mit diesem Rat stärken: Gott hat uns nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben. Zunächst mal bedeutet dieser Satz: Keine Panik! Macht euch nicht verrückt! Überlegt, bevor ihr etwas tut oder sagt.

Das ist auch in unserer Situation der beste Rat, den wir bekommen können. Er macht uns fähig zu handeln und nicht in Frucht zu erstarren. Wir können dann überlegen, was wir in der Zeit tun, bis diese Krise vorüber ist. Es ist wichtig, dass wir auch in den Einschränkungen, die uns auferlegt sind oder noch werden, eine Struktur unserer Zeit entwickeln. Die Wochenpläne können diesen Zweck für die Schüler und Schülerinnen erfüllen. Die Eltern können so auch zu sich kommen, wenn sie auch zu Hause bleiben müssen. Man kann sich Projekte suchen. Wir haben zum Beispiel einen Garten und fünf Kinder von 3 bis 15 Jahren zu Hause. Also, was liegt näher,  in diesem Frühjahr den gemütlichsten und schönsten Garten für uns anzulegen. Dann sind wir auch ein paar Stunden an der frischen Luft und uns fällt die Decke nicht auf den Kopf. Oder man könnte wieder Kontakte per Internet oder Telefon mit Menschen aufnehmen, die man nicht besuchen kann oder darf oder die man schon lange vernachlässigt hat. Man kann mit anderen teilen, wie es einem geht und was man so für Ideen hat, wie man die Zeit gut und sinnvoll nutzen kann, wie es z.B. auch auf unserer Website zu sehen ist.
All das kann uns die Besonnenheit ermöglichen und die Kraft geben, die wir jetzt brauchen werden. Die Liebe zu unseren Nächsten und in der Familie ist, so denke ich, der Grundpfeiler, auf dem all unsere Bemühungen ruhen. Und hinter allem – und das sage ich als Mensch, der im Glauben Halt findet – steht Gott mit all seiner Kraft, Liebe und Besonnenheit und stärkt und segnet jeden einzelnen Schritt, den Menschen hier miteinander gehen.
Ich wünsche uns allen, ob wir nun religiös sind oder nicht, Kraft Liebe und Besonnenheit für unseren Weg in die Zeit, die vor uns liegt.

Herzlichst Ihr/Euer Wolfgang Schilling, Schulseelsorger   

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