Erasmus+: Deutsche und Polen in der Geschichte – Projekttreffen in Polen vom 18. bis 21. Mai und Gegenbesuch
in Biedenkopf vom 08. bis 12. Juni 2026

 

Welche Beziehungen zwischen Deutschen und Polen gab es in der Geschichte? Warum waren diese Beziehungen nicht immer einfach? Und wie stehen Deutsche und Polen heute zueinander? – Mit diesen Fragen beschäftigten sich 10 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe E1/2 der Lahntalschule und ihre 10 polnischen Austauschpartner von dem Lyzeum Józef Wybicki in Kościerzyna beim diesjährigen Erasmus+-Projekt „Deutsche und Polen in der Geschichte“.

Dabei näherten sich die Teilnehmenden auf ganz unterschiedliche Weise der Thematik. Sie gestalteten zum Beispiel gemeinsam einen Zeitstrahl zur deutsch-polnischen Geschichte, um sich einen Überblick über die deutsch-polnischen Beziehungen seit dem Mittelalter zu verschaffen. Sie analysierten in einem Workshop die Texte der beiden Nationalhymnen und erarbeiteten in gemischtnationalen Gruppen den historischen Entstehungskontext der beiden Hymnen. Besonders interessant war es dabei zu vergleichen, welche Rolle die jeweilige Hymne im Alltag der Schülerinnen und Schüler in Polen und Deutschland heute spielt und welche (sehr unterschiedliche!) Haltung die Jugendlichen zu ihrer Hymne haben. 

In Thorn hörten sie einen Vortrag des Germanistik-Professors Tomasz Waszak, der sie über die Bedeutung des Faches Germanistik für die Verständigung zwischen Polen und Deutschen informierte und sich anschließend ihren Fragen stellte. Und in Danzig besuchten sie das Museum des Zweiten Weltkriegs und setzten sich mit der deutschen Besatzung Polens während des Kriegs und damit mit einem besonders dunklen Kapitel der deutsch-polnischen Beziehungen auseinander.

Beim Gegenbesuch in Biedenkopf besuchten die Schülerinnen und Schüler unter anderem die neue Universitätsbibliothek in Marburg, wo ihnen zwei Bibliothekarinnen das Funktionieren einer modernen großen Universitätsbibliothek erklärten und erläuterten, wie man in einer solchen Bibliothek zu deutsch-polnischen Themen Recherchen durchführen kann. Und bei einer Exkursion nach Frankfurt besuchte die Gruppe das Goethehaus und erfuhr, dass Werke wie der „Faust“ und „Die Leiden des jungen Werther“ auch in Polen im Unterricht Erwähnung finden.

Der Gegenbesuch der polnischen Gruppe fiel dieses Jahr zufällig terminlich mit der Jubiläumsfeier zu 25 Jahren Verschwisterung der beiden Landkreise Marburg-Biedenkopf und Kościerzyna zusammen. Deshalb folgte die Schülergruppe gerne der Einladung des Landrats Jens Womelsdorf und der Partnerschaftsbeauftragten des Landkreises Marburg-Biedenkopf Aga Sauerwald, bei der Feierstunde im Landratsamt in Marburg dabei zu sein. So konnten die Schüler außerdem erleben, welchen Stellenwert die deutsch-polnische Verständigung heute für Politik und Verwaltung ihrer Heimatregionen hat.

Während der beiden Begegnungswochen wohnten die Austauschschüler bei den Familien ihrer Austauschpartner und hospitierten auch im Unterricht der gastgebenden Schule, so dass sie neben der Beschäftigung mit dem Thema „Deutsch-polnischen Beziehungen in der Geschichte“ auch einen Eindruck vom Alltag deutscher bzw. polnischer Jugendlicher gewinnen konnten.

Und wie steht es in den Augen der Schülerinnen und Schüler nun heute um die deutsch-polnischen Beziehungen? Wenn auch die Verständigung auf höchster politischer Ebene nicht immer einfach sein mag, auf der persönlichen Ebene zwischen den Schülerinnen und Schülern aus Biedenkopf und Kościerzyna und ihren Familien sind die Beziehungen auf jeden Fall bestens. Das Projekt hat, so ist die einhellige Meinung, viel Spaß gemacht und dazu bei getragen, das Verständnis für unsere Nachbarn zu vertiefen.