Lahntalschüler gestalten einen packenden
Theaterabend zwischen Filterwelt und Wahnsinn
Es war ein Abend, der die Grenzen zwischen Schein und Sein, zwischen digitaler Filterwelt und romantischem Wahnsinn verschwimmen ließ: Am vergangenen Donnerstagabend präsentierten die zwei Kurse des Faches Darstellendes Spiel der Jahrgangsstufe Q4 an der Lahntalschule ihre beeindruckenden Abschlussarbeiten. In der gut gefüllten Aula zeigten die angehenden Abiturienten auf unterschiedliche, aber gleichermaßen packende Weise, wie intensiv sie sich zwei Jahre lang mit den Themen Identitätsfindung und Wahrnehmung der Wirklichkeit auseinandergesetzt haben.
Schon der Beginn der ersten Aufführung, die unter der Leitung von Svea Prautsch stand, setzte ein visuelles Ausrufezeichen: Auf einer Leinwand flimmerten Fotos unterschiedlichster Körper, die bewusst nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprachen. Die Schülerinnen und Schüler führten dem gebannten Publikum in ihrer selbst entwickelten postmodernen Inszenierung die vielfältigen Aspekte von Selbst- und Fremdwahrnehmung in Zeiten sozialer Medien bildlich vor Augen. Besonders beeindruckend war dabei der Einsatz chorischer Elemente, die eine starke Gesamtwirkung der Gruppe erzielten und das Publikum unmittelbar in die teilweise beklemmende und unangenehme Welt der medialen Wunschvorstellungen mitnahmen.
Bilder: (C) Blum / LTS
Das Ensemble problematisierte eindrucksvoll den Druck, dem junge Menschen heute ausgesetzt sind, wenn reale Körper und digitale Ideale unauflösbar miteinander verschmelzen. Damit traf die Gruppe insbesondere den Zeitgeist und die Lebenswelt des jüngeren Publikums, das sich, laut Zuschaueraussagen, teilweise selbst in den Szenen wiederfinden konnte.
Nach einer kurzen Pause, die Raum für erste Diskussionen bot, entführte der Kurs von Christina Wege die Zuschauer in eine gänzlich andere, aber nicht weniger komplexe Welt. Grundlage bildete E.T.A. Hoffmanns Klassiker „Der Sandmann“. Nach einer kurzen Einführung in die Handlung durch die Schüler selbst tauchte die Inszenierung tief in das komplexe Werk ein. Den Schülern gelang es meisterhaft, den schleichenden Wahnsinn der Hauptfigur Nathanael auf alle Rollen zu übertragen und so eine dichte, beunruhigende Atmosphäre zu schaffen. Besonders hervorzuheben waren die starken Einzelleistungen und die gelungene Verzahnung von Originalsprache der Romantik mit modernisierten Passagen. Dass sich der Kurs an diesen schwierigen Stoff gewagt und ihn so eigenständig und modern interpretiert hat, traf auf größten Respekt bei den Zuschauern.
Am Ende des Abends mischten sich Erleichterung und Stolz in die Danksagungen der Schüler an ihre Lehrkräfte. Das Fazit fiel durchweg positiv aus: Sowohl die begeisterten Zuschauer als auch die Schulleitung zeigten sich tief beeindruckt von der künstlerischen Reife und der Ausdruckskraft beider Gruppen. Obwohl die Stücke in Form und Inhalt variierten, einte sie die hohe Qualität und die mutige Auseinandersetzung mit der Frage, was den Menschen in seinem Kern eigentlich ausmacht. Ein Theaterabend, der noch lange nachhallen dürfte.