Rauschbrillen, Resilienz und starke Nerven:
Lahntalschüler wappnen sich gegen die Suchtfalle
Wie fühlt es sich an, die Kontrolle zu verlieren? Und wie sagt man eigentlich „Nein“, wenn alle anderen „Ja“ sagen? Kurz vor den Sommerferien tauschten die Siebtklässler der Lahntalschule (LTS) ihre gewohnten Lehrbücher gegen wertvolle Lektionen fürs Leben. An zwei intensiven Projekttagen stand das renommierte Präventionsprogramm „Lions Quest“ im Mittelpunkt – ein Training, das weit über die klassische Drogenaufklärung hinausgeht.
Mehr als nur Abschreckung
Dass bloßes Warnen vor Gefahren oft nicht ausreicht, weiß man an der LTS. Deshalb setzt das Programm auf sogenannte „Life-Skills“ – Lebenskompetenzen. „Es geht darum, die Jugendlichen von innen heraus stark zu machen“, erklären die Verantwortlichen. Wer ein gesundes Selbstbewusstsein besitzt und Konflikte lösen kann, greift seltener zu Ersatzmitteln, um Stress oder Gruppendruck zu bewältigen.
In Modulen, die eng mit dem Religions-, Ethik- und Biologieunterricht verzahnt waren, setzten sich die Schüler mit den Ursachen von Sucht und den schleichenden Phasen einer Abhängigkeit auseinander. Dabei wurde deutlich: Sucht hat viele Gesichter und beginnt oft dort, wo Hilflosigkeit einkehrt.
Der torkelnde Parcours: Die Welt durch die Rauschbrille
Besonders einprägsam wurde es auf praktischer Ebene. Mit speziellen „Rauschbrillen“ simulierten die Jugendlichen verschiedene Promillestufen. Was zunächst für Gelächter sorgte, mündete schnell in verblüffte Gesichter: Einen vorbereiteten Parcours sicher zu durchqueren, wurde plötzlich zur unlösbaren Herausforderung. Die körperliche Einschränkung durch Alkoholkonsum wurde hier ohne jedes Risiko, aber mit nachhaltigem Lerneffekt am eigenen Leib erfahren.
Strategien gegen den Gruppenzwang
Ein weiterer Kernpunkt des Programms war das Training sozialer Widerstandskraft. Wie gehe ich mit Stress um? Wie bleibe ich mir selbst treu, wenn die Gruppe Druck ausübt? Die Jugendlichen erarbeiteten aktiv Strategien, um gesund durch eine Welt zu navigieren, die täglich komplexer wird.
Hinter dem Erfolg des Projekts steht ein starkes Team: Sechs Lehrkräfte der Lahntalschule leiteten die Module. Sie hatten zuvor – gefördert durch den Lions Club – eine spezielle Ausbildung absolviert, um das Programm professionell umzusetzen.
Ein fester Anker im Schulalltag
Bereits zum zweiten Mal fand das Präventionsprogramm an der LTS statt, und für die Schulleitung steht fest: „Lions Quest“ bleibt. Auch wenn sich die langfristige Wirkung von Prävention schwer in Noten messen lässt, ist die Förderung von verantwortungsvollem und lebensbejahendem Handeln ein unverzichtbarer Baustein der pädagogischen Arbeit. Die Siebtklässler starteten so nicht nur in die Ferien, sondern auch mit einem gestärkten Rückgrat in ihre Zukunft.