Unsere Fahrt nach Charleville-Mézières vom 22.-27.03.2026

–  ein tolles Erasmus+ – Erlebnis    

Am Sonntag, dem 22.03., sind wir um 8 Uhr mit dem Bus nach Charleville-Mézières losgefahren. Dabei waren 22 Schüler aus der Jahrgangsstufe 9, die Französisch als zweite Fremdsprache lernen, sowie Frau Fischbach-Koch und Frau Mehren-Vogt.

Nach einer rund siebenstündigen Fahrt durch Luxemburg und Belgien sind wir in Charleville angekommen. Die Hälfte von uns war im Hotel und die andere Hälfte in Gastfamilien untergebracht. Nachdem die Hotelschüler im Hotel angekommen waren, wurde der Rest der Gruppe freudig von den Gastfamilien und der Schulleiterin Madame Cauchois empfangen. Den Abend verbrachten die Hotelschüler gemeinsam mit Frau Fischbach-Koch und Frau Mehren-Vogt in einer Pizzeria mit leckerem Essen und guter Stimmung.

Die anderen Schüler verbrachten den Abend in den Gastfamilien, wo wir und die Gastgeber uns gegenseitig kennenlernen durften und erste Erfahrungen machen konnten. Unter anderem gab es einen gemeinsamen Spieleabend, Kartfahren und einen Spaziergang.

Am Montag haben wir zuerst die Schule kennengelernt und haben den Franzosen durch Videos unsere eigene Schule gezeigt. Dann haben wir uns direkt mit unserem Projekt „Wir und unsere Nachbarn bzw. die deutsch-französischen Beziehungen früher und heute“ beschäftigt. Dafür trafen wir uns um 8 Uhr in der Schule, dem Collège Notre Dame, wo wir gemeinsam mit französischen Schülern gegenseitig Interviews über deutsche und französische Clichés geführt haben.  Im Anschluss haben wir uns erst mal mit Eckdaten und -ereignissen der deutsch-französischen Geschichte – vom Jahr 466 bis heute beschäftigt. Dabei mussten wir zusammen mit den Franzosen einen Zeitstrahl erstellen und die Ereignisse richtig zuordnen. Dabei haben wir herausgefunden, dass Deutschland und Frankreich dieselbe Wurzel haben und dass die beiden Länder sich in der Vergangenheit oft und unerbittlich bekämpft haben, vor allem in den Ardennen, also in der Gegend rund um Charleville. Nach 1945 haben sich die beiden Länder wieder angenähert und schließlich Freundschaft geschlossen. Am Abend gingen wir als Gruppe zusammen mit den Gastfamilien in eine Bowlinghalle für eine Runde Bowling und ein gemeinsames Essen.

Am Dienstag machten wir einen Lehrausflug nach Reims. Dort bekamen wir eine Führung durch die Kathedrale, in der alle französischen Könige gekrönt wurden. Durch den Vortrag der Reiseführerin ist uns bewusst geworden, wie wichtig die Kathedrale als Symbol für die deutsch-französichen Beziehungen ist: Im 1. Weltkrieg hat sie sehr gelitten, weil sie in der Nähe der Frontlinie lag. Der Dachstuhl brannte und geschmolzenes Blei vom Dach lief wie Regen durch die Wasserspeier. Sie bot ein schreckliches Bild der Zerstörung. Später, im Jahr 1962, trafen sich an diesem Ort Adenauer und De Gaulle, um ein anderes Zeichen zu setzen: das bewusste Zeichen der Freundschaft. Dieses Treffen im Rahmen eines Gottesdienstes war der Vorbote des Elysée-Vertrags, den die beiden am 22.1.1963 unterschrieben. Am Nachmittag bekamen wir noch eine  Führung durch die ortstypische Biscuterie Maison Fossier,  wo wir uns mit leckeren Macarons eindeckten.

Am Mittwoch trafen wir uns wieder um 8 Uhr in der Schule, um dort am Projekt weiterzuarbeiten. Wir haben uns mit den Erfahrungen der Menschen aus der Gegend um Charleville während des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. In 1940 mussten sehr viele Menschen vor den Deutschen fliehen. Später, im Winter 1944/45 gab es noch die Ardennen-Offensive, wo die Leute ihre Häuser schon wieder verlassen mussten, um sich in Höhlen zu verstecken. Viele starben in dieser Zeit. Außerdem litt im Zweiten Weltkrieg  ganz Frankreich unter der deutschen Besatzung. Wir fragten uns, ob die Wunden aus dieser Zeit heute noch in den Köpfen der Menschen sind. Gemeinsam bereiteten wir mit den französischen Schülern Interviews für Passanten in der Stadt zum Thema „Deutsch-französische Beziehungen  in der Vergangenheit und heute“ vor.  Nachmittags führten wir dann die Interviews in Kleingruppen durch. Gut war natürlich, dass wir in jeder Gruppe französische Assistenten hatten, die uns dabei halfen, alles richtig rüberzubringen und zu verstehen. Auf Fragebögen haben wir uns Notizen zu den Antworten der Passanten gemacht.

Am Donnerstag werteten wir in der Schule die Interviews aus. Jede der 7 Gruppen stellte ihre Ergebnisse vor. Wir kamen zu dem Schluss, dass der Großteil der Befragten die Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich als eher positiv empfindet und der Krieg die Einstellung der Leute zu Deutschland und den Deutschen nicht mehr stark beeinflusst. Schließlich haben wir uns noch mit der Entwicklung zum Elysée-Vertrag hin beschäftigt. Auch De Gaulles Rede an die deutsche Jugend aus dem Jahr 1962 haben wir uns angesehen und festgestellt, dass unser gutes Verhältnis nicht selbverständlich ist, sondern De Gaulle und Adenauer, aber auch anderen Politiikern aus beiden Ländern zu verdanken ist. Am Nachmittag besichtigten wir das Museum „Guerre et Paix“ (Krieg und Frieden), wo wir viel über die Kriege (1870/71; 1914-18; 1939-45)  lernen konnten. Allerdings wurde dort leider nicht viel über die Versöhnung  nach 1945 berichtet, die wir jedoch schon im Unterricht behandelt hatten.

Am Freitag trafen wir uns an der Schule, wo wir uns leider von den französischen Schülern, der Deutschlehrerin Frau Eschenbach und der netten Schulleiterin Madame Cauchois verabschieden mussten. Auch wenn der Abschied uns sehr schwerfiel, sind wir für diese Erfahrung sehr dankbar, denn wir konnten neue Freundschaften knüpfen sowie viel über die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen lernen. Nicht zuletzt haben wir verstanden, dass auch wir zu guten Beziehungen beitragen, indem wir offen sind für unsere französischen Nachbarn und mit ihnen in Kontakt bleiben.

Leni Schmidt und Nora Lösch  (27. 3. 2026)