LTS unplugged: Die Lahntalschule verwandelt den
Festplatz Wallau in eine Konzertarena

Es gibt Momente, in denen Musik weit mehr ist als eine Abfolge von Tönen – sie wird zu einem Gemeinschaftserlebnis, das Generationen verbindet. Am vergangenen Mittwochabend verwandelte die Lahntalschule Biedenkopf (LTS) den Festplatz in Wallau beim zweiten Biedenköpfer Kultur Open Air in ein Open-Air-Stadion. Unter dem weiten Abendhimmel entfalteten 108 Musiker ein Programm, das von zarter Klassik bis zu gewaltigen Rock-Hymnen reichte.
Bürgermeister Jochen Achenbach fand bei seiner Begrüßung beeindruckende Worte für das Engagement der Schule: Von den insgesamt 108 Künstlern auf der Bühne stammten allein 90 aus den Reihen der LTS. Ein logistisches und künstlerisches Mammutprojekt, das ohne die Arbeit von Musikleiterin Dr. Bianca Nassauer, Big-Band-Leiter Fabian Dörr sowie Johannes Tunyogi-Csapó und Charly Mutschler vom Hinterländer Jazz Orchester kaum denkbar wäre.

Von der Romantik bis zur großen Geste

Den roten Faden des Abends spannten die Schülerinnen Lenya Blasberg und Levke Bünger, die charmant und fachkundig durch die drei Blöcke führten. Der Beginn gehörte der Eleganz: Das Schulorchester entführte die Zuhörer mit Werken des 19. und 20. Jahrhunderts in eine Zeit der großen Melodien, bevor die Stimmung ins Epische kippte.

 Als die ersten Töne aus dem „Phantom der Oper“ erklangen, herrschte gebannte Stille auf dem Festplatz. Die Solisten Mila Sänger sowie die ehemaligen LTS-Schüler Carlotta Bach und Manuel Böhm verliehen Stücken wie „Victory“ oder dem verträumten „Walking in the Air“ (aus The Snowman) eine Gänsehaut-Qualität, die man sonst nur aus großen Opernhäusern kennt. Der Übergang zum nächsten Abschnitt enthielt ein besonderes Klangerlebnis: Gemeinsam mit der Big Band der LTS zelebrierte das Orchester den kraftvollen Song „Formel 1“ – ein Moment purer Energie, der den Herzschlag des Publikums spürbar beschleunigte.

 

Brass-Power und Rock-Ekstase

Im dritten Block übernahm die Big Band das Regiment. Mit Titeln wie „Blinding Lights“ und „I’m still standing“ sowie den Solist Eliah Schwarz am Saxophon und Marlon Leng an der E-Gitarre brachten sie den Groove nach Wallau. Besonders emotional wurde es bei Adeles „Rolling in the Deep“, das durch die Stimme von Jette Benner eine ganz eigene, soulige Tiefe erhielt. Doch die LTS kann auch anders: Mit Metallicas „Enter Sandman“ bewies die Big Band, dass Blechbläser eine ungeahnte Härte entwickeln können.

Diesen Faden nahm die Schulband nahtlos auf. Spätestens bei Linkin Parks neuem Hit „The Emptiness Machine“ und dem dramatischen „Bring me to life“ von Evanescence gab es kein Halten mehr. Die kraftvollen E-Gitarren und der treibende Rhythmus bildeten einen faszinierenden Kontrast zur klassischen Eröffnung des Abends und zeigten die enorme Bandbreite des musikalischen Nachwuchses.

 

Ein Finale der Superlative

Zum krönenden Abschluss verschmolzen die Grenzen zwischen Schule und Profis endgültig. Das Hinterländer Jazz Orchester vereinte sich mit den Musikern der Lahntalschule zu einem gewaltigen Klangkörper. Dieses Finale war nicht nur ein akustisches Ausrufezeichen, sondern auch ein Symbol für die kulturelle Lebendigkeit der Region.

Als die letzten Töne über den Festplatz in Wallau verhallten, blieb das Bild einer Schule zurück, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern die Seele des Hinterlandes zum Schwingen bringt. Ein Abend, der bewies: Wenn die Lahntalschule zum Konzert lädt, wird Kultur zum Erlebnis für alle Sinne.